Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht

Immer wieder erleben wir im Klinikalltag Situationen, in denen Patienten ihren Willen nicht mehr bilden oder äußern können (weil sie physisch oder psychisch nicht mehr in der Lage dazu sind).


Die Problematik, die daraus entsteht: Die Behandlung eines Patienten muss sich immer am mutmaßlichen Willen des Patienten orientieren. Weder Angehörige noch Behandler (Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten) dürfen diesen Willen ignorieren oder ihm gar zuwiderhandeln. Dieses Selbstbestimmungsrecht jedes Menschen ist auch juristisch im Patientenverfügungsgesetz festgeschrieben.


Allerdings stellt sich die Frage: Wie lässt sich der Wille eines Patienten feststellen, wenn er ihn eben nicht mehr selbst äußern kann?


Hier hilft es allen Beteiligten, wenn dieser Wille schriftlich dokumentiert wurde und so zweifelsfrei für das Behandlungsteam nachvollziehbar ist.


Die sicherste Variante einer Verschriftlichung des eigenen Willens ist das Verfassen bzw. Ausfüllen einer Patientenverfügung.


In einer Patientenverfügung legt man schon im Voraus seine Behandlungswünsche für künftige Krankheitssituationen fest. Eine Patientenverfügung ist also eine Art vorweggenommene Einverständniserklärung (oder eben auch Nicht-Einverständniserklärung). Klassische Fragen, die in einer Patientenverfügung beantwortet werden, sind beispielsweise die nach lebensverlängernden Maßnahmen bei irreversiblen Erkrankungen sowie nach künstlicher Beatmung und Ernährung.


In einer Patientenverfügung wird der eigene Wille festgelegt. Damit dieser Wille dann auch wirklich durchgesetzt wird in einer Situation, in der man es selbst nicht mehr kann, empfiehlt es sich, zusätzlich zur Patientenverfügung noch ein weiteres Dokument frühzeitig anzulegen, nämlich eine Vorsorgevollmacht.


In einer Vorsorgevollmacht benennt man eine Person seines Vertrauens, die man bevollmächtigt, über bestimmte Angelegenheiten zu entscheiden, wenn man das selbst nicht mehr kann. Zu diesen Angelegenheiten können neben der Gesundheitssorge auch z.B. die Vermögenssorge und Wohnungsangelegenheiten gehören (Hinweis: Bei Regelung der Vermögenssorge etc. benötigt man eine notarielle Beurkundung). Der Vorsorgebevollmächtigte ist verpflichtet, den Willen des Bevollmächtigten umzusetzen (wie er etwa in der Patientenverfügung festgeschrieben ist).


In der Regel enthalten die angebotenen Formulare sowohl eine Patientenverfügung als auch eine Vorsorgevollmacht, da beide Dokumente einander sinnvoll ergänzen. Die Formulare zeichnen sich meist durch vorgefertigte Texte aus.


Es gibt viele verschiedene Vordrucke für Patientenverfügungen und Vollmacht auf dem Markt. Das Bayerische Staatsministerium der Justiz ergänzt dies noch durch eine Betreuungsverfügung und Angaben zur Organspende. Eine zusätzliche Organspendeerklärung macht Sinn, da sich Patientenverfügung und Organspendeerklärung durchaus widersprechen können, wie es die Bundesärztekammer ausführt. Das Formular ist recht umfangreich (fast 50 Seiten!), da viele Hinweise und Erklärungen eingefügt sind.


Es sollte nicht vergessen werden, z.B. Angehörige über die ausgefüllte Patientenverfügung in Kenntnis zu setzen, da möglicherweise im Ernstfall keine Gelegenheit mehr dazu ist. Auch kann man die Vollmacht bzw. die Betreuungsverfügung gegen eine kleine Gebühr bei dem Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrieren lassen. Es ist allerdings anzumerken, dass das Amt lediglich mitteilt, dass eine entsprechende Verfügung existiert und nicht Auskunft über dessen Inhalt geben kann.


Unsere Empfehlungen:



  • Denken Sie rechtzeitig an die Erstellung einer Patientenverfügung und einer Vollmacht, damit andere Ihren Willen und Ihre Wünsche kennen. Patientenverfügungen haben verbindlichen Charakter!

  • Äußern Sie sich möglichst detailliert. Sätze wie „ein würdevolles Sterben zu ermöglichen oder zuzulassen, wenn ein Therapieerfolg nicht mehr zu erwarten sei" sind zu allgemein. Dies gilt auch für die Formulierung „keine lebenserhaltenden Maßnahmen". Der Gesetzgeber fordert hier präzisere Angaben z.B. zu Beatmung, Dialyse und Ernährung. Ihr Hausarzt kann Ihnen bestimmt bei der Erstellung helfen.

  • Nutzen Sie Formulare wie das vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz, dem Palliativnetz Witten (siehe oben) oder ein Gleichwertiges.

  • Scheuen Sie sich nicht, handschriftliche Ergänzungen hinzuzufügen. Umso detaillierter Sie sich äußern, umso besser.

  • Teilen Sie Angehörigen oder nahestehenden Freunden Ihren Willen mit.

  • Unterrichten Sie auch Ihren Hausarzt über Ihre Verfügung.

  • Bewahren Sie die Papiere an einem für den Bevollmächtigten zugänglichen Ort auf. Noch besser: Fertigen Sie für den Bevollmächtigten eine Kopie an.

  • Erneuern Sie zumindest die Unterschrift jährlich.

  • Im Falle eines Krankenhausaufenthalts teilen Sie uns frühzeitig (am besten bei Aufnahme) mit, dass eine Verfügung besteht. Ggf. sollte dies Ihr Bevollmächtigter tun, wenn er von Ihrer Krankenhausaufnahme erfährt und Sie dazu vielleicht nicht mehr in der Lage sind.


Das Ethikkomitee des Klinikum Fürth befürwortet die Verbreitung von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten und bietet im Bedarfsfall auch seine Unterstützung an.

Ethikberatung

Tel.: 0911 7580 0 (Bitte verbinden lassen)