Fragen rund um HIFU

Ist HIFU die geeignete Therapie für mich?


Das hängt von mehreren Faktoren ab. Bitte setzen Sie sich daher vorab mit dem Sekretariat unserer Urologischen Klinik in Verbindung und halten folgende Informationen bereit, damit sich unsere Ärzte ein erstes Bild machen können:



  • die auf den Prostatakrebs bezogene Krankengeschichte

  • pathologischer Therapiebefund

  • Größe und Gewicht der Prostata (sofern bekannt)

  • PSA-Wert der Erstdiagnose

  • welche Medikamente Sie nehmen

  • weitere Untersuchungsergebnisse, z.B. Knochenszintigramm, Transrektaler Ultraschall (TRUS), Magnet-Resonanz-Tomographie (wenn vorhanden)


Für wen kann der Einsatz von HIFU in Betracht kommen?



  • für ältere Patienten mit Begleiterkrankungen

  • für Patienten mit Tumoren des Stadiums T1 – T2

  • für Patienten, die eine radikale Operation oder Bestrahlung aus persönlichen Gründen ablehnen

  • für Patienten, die an erneut auftretendem Prostatakrebs (Rezidiv) erkrankt sind

  • für Patienten, die eine Hormontherapie nicht vertragen oder bei denen die Therapie nicht anschlägt

  • für Patienten, bei denen während der Abhobelung der Prostata (TUR-P) ein Tumor entdeckt wird


Für wen kommt der Einsatz von HIFU nicht in Betracht?



  • für Patienten, die keinen Enddarm mehr haben

  • für Patienten, deren Enddarm nach einer Behandlung stark entzündet ist

  • für Patienten, deren Darmwand im Einstrahlungsbereich deutlich verdickt ist (z.B. durch eine Entzündung oder einen Darmtumor)

  • für Patienten, die bereits Fistelbildungen aufweisen, beispielsweise nach einer Operation oder Bestrahlung

  • für Patienten, die Metallclips zwischen Darmwand und Prostata haben


Wie funktioniert das HIFU-Gerät


Das HIFU-Gerät besteht aus dem Behandlungstisch, auf dem der Patient für ca. 1,5 - 2,5 Stunden in gepolsterter Rechtslage liegt, und dem Bedienpult, von dem aus der Arzt den Behandlungsablauf plant und die Ultraschallsonde millimetergenau steuert. Die Computersteuerung hilft, das Risiko von Nebenwirkungen und Komplikationen zu reduzieren. Die Behandlung erfolgt in der Regel in Teilnarkose, auf Wunsch des Patienten ist auch eine Vollnarkose möglich. Die Ultraschallsonde wird dem Patienten über den After in den Enddarm eingeführt und dadurch unmittelbar neben der Prostata platziert. Etwa fünf Stunden nach dem Eingriff kann der Patient in der Regel schon wieder laufen. Der Aufenthalt im Krankenhaus nach einer HIFU-Behandlung dauert meist drei bis sieben Tage.


Der Computer ermöglicht die 3D-Darstellung der Prostata auf dem Bildschirm. Damit kann das Gebiet innerhalb der Prostata exakt definiert und millimetergenau behandelt werden. Bei Bewegungen des Patienten während der Behandlung unterbrechen die zahlreichen Sicherheitsvorkehrungen des Gerätes die Behandlung sofort. Im nächsten Schritt erzeugt die Sonde den hochintensiven fokussierten Ultraschall. Ähnlich der Roboterchirurgie können computergesteuert hunderte von Ultraschallauslösungen gestartet werden, bis genügend Tumorgewebe verbrannt ist.


Die Wirkungsweise ähnelt der eines Vergrößerungsglases, mit dem Sonnenstrahlen gebündelt werden, um ein Loch in ein Blatt zu brennen. Das reicht aus, um Krebsgewebe punktgenau zu verbrennen, umliegendes gesundes Gewebe kann dabei verschont werden. Im Unterschied zu einer Operation, Strahlen- oder der sogenannten Brachytherapie sind bei der Behandlung mit HIFU-Geräten weder Schnitte noch Bestrahlung erforderlich. Des Weiteren kann bei dieser Art der Prostatakrebsbehandlungen die HIFU-Behandlung bei Wiederauftreten von Krebs wiederholt werden. Teilweise kann HIFU auch dann zum Einsatz kommen, wenn andere Methoden versagt haben.


Welche Therapieformen gibt es?



  • Primärtherapie


Die Primärtherapie ist die Erstbehandlung eines auftretenden Prostatakarzinoms. Sie kann eingesetzt werden, wenn es sich um einen lokal begrenzten Tumor handelt oder wenn aufgrund des Alters oder einer Begleiterkrankung die Durchführung einer Operation nicht ratsam ist (Kontraindikation für Operation).



  • Salvagetherapie


Die Salvagetherapie ist die Behandlung eines erneut auftretenden Tumors (Rezidivs) nach vorheriger Therapie. Sie kann sowohl nach erfolgter Strahlentherapie oder Operation als auch nach einer Hormonentzugstherapie bei steigendem PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen) zur Anwendung kommen. Die HIFU-Behandlung kann mehrmals wiederholt werden.



  • Palliative Therapie


Die palliative Therapie ist die Behandlung eines fortgeschrittenen und systemischen Tumors, bei dem keine Heilung mehr möglich ist. Sie dient der Minderung des lokalen Tumorwachstums und dem Bremsen der fortschreitenden Metastasen-Aussaat aus dem Primärtumor.


Welche Vorteile hat die HIFU-Therapie?



  • präzise Vernichtung von Krebszellen ohne eine Schnittoperation

  • kein Blutverlust durch die HIFU-Behandlung

  • gut verträgliche Teilnarkose statt einer Vollnarkose

  • kurzer Krankenhausaufenthalt

  • komplikationsarme Therapie

  • die HIFU-Therapie stellt eine Zusatztherapie dar, ohne Ausschluss anderer Therapieformen

  • die HIFU-Therapie ist wiederholbar

  • hohe Erfolgsrate bei der „lokalen Kontrolle" des Prostatakrebses

  • Potenzerhaltungschance ist deutlich höher als bei einer operativen Behandlung (ca. 50 Prozent)

  • im Regelfall nur eine Behandlung notwendig


Welche Komplikationen können auftreten?


Beim Versuch des Urinierens werden meist in den ersten sechs Wochen die ersten Tropfen blutig gefärbt und teilweise mit Gewebsstücken versetzt sein. Dies ist normal und gewünscht, da das abgestorbene Gewebe nur auf diese Art abgehen kann. Sollte zu viel abgehendes Gewebe die Harnröhre verstopfen, kann dies einen anfänglich guten Harnstrahl vorübergehend verschlechtern. Es kann dann notwendig werden, das Gewebe durch die Harnröhre in einem zweiten stationären Eingriff abzusaugen. Diese Komplikation wird durch eine Prostata-Hobelung (TUR-P) vor der HIFU-Therapie deutlich verringert. In der Regel ist der Harnstrahl nach Ausheilung gleich gut oder besser als zuvor.


Ein Antibiotikum sollte Infekt-Beschwerden wie häufiges dranghaftes oder brennendes Urinieren soweit wie möglich vermeiden. Dies kann durch die Vielzahl von existierenden Keimen nicht immer gelingen. Entzündungen des „Urogenitaltraktes“, d. h. von Harnröhre, Prostata, Blase, Hoden und Nebenhoden sind zwar selten, jedoch möglich.


Die Schwächung des äußeren Schließmuskels (Inkontinenz) der Blase kann zu tropfenförmigem Urinverlust beim Pressen, Husten, schweren Heben etc. führen (ca. fünf Prozent). Dies kann in der Regel durch Beckenbodengymnastik behoben werden, zum Beispiel durch einfaches Muskeltraining.


Die männliche Fortpflanzungsfähigkeit (Fertilität) beinhaltet einerseits die Versteifung des Penis (Erektion), andererseits die Produktion und den Ausstoß des Samens (Ejakulation). Durch die Prostatabehandlung wird der Samenausstoß vermindert bzw. ganz beseitigt, da die Fähigkeit der Flüssigkeitsproduktion der Prostatadrüsen teilweise zerstört wird. Die Erektionsfähigkeit kann jedoch bei bis zu 50 Prozent der Patienten vollständig erhalten bleiben. Die Behandlung nur einer Prostatahälfte (Hemiablation) oder eine fokale Therapie (nur der Tumor wird behandelt) geht mit einer höheren Chance auf einen Erhalt der Erektionsfähigkeit einher.


Bei weniger als einem Prozent der Patienten kann eine Verbindung zwischen Harnröhre und Enddarm auftreten (Fistelbildung). Diese Komplikation ist vermehrt bei früheren Behandlungsmaschinen (Prototypen) und bei Patienten mit vorgeschädigtem Enddarm (z.B. nach Bestrahlung) aufgetreten, ist aber ansonsten extrem selten.

HIFU-Alphabet

Absonderung von Gewebe


Möglicherweise werden Teile von verbranntem bzw. abgestorbenem Prostatagewebe durch die Harnröhre abgestoßen. In seltenen Fällen kann dies zu einer Harnsperre führen. Das tote Gewebe muss dann durch die Harnröhre entfernt werden. Der größte Teil des durch die HIFU-Therapie verbrannten Gewebes wird jedoch vom Körper resorbiert bzw. durch Bindegewebe ersetzt.


Blutiger Urin


Tritt bei den ersten Tropfen des Urinierens auf und kann über die ersten zwei Monate andauern. Es entsteht kein nennenswerter oder messbarer Blutverlust.


Brennen beim Wasserlassen


Dies deutet meist auf eine bakterielle Infektion hin. Eine selbständige Antibiotikaeinnahme ist nicht ratsam. Hierzu sollte zuvor eine Urinuntersuchung auf Bakterien zum gezielten Einsatz der Antibiotika erfolgen.


Druck im Dammbereich


In den ersten Tagen nach der HIFU-Behandlung „fühlt“ der Patient die Prostata: nicht als Schmerz aber als Druck im Damm („Wie wenn man auf einem Apfel sitzen würde."). Normalerweise vergehen diese Beschwerden innerhalb der ersten vier Wochen nach der HIFU-Therapie. In sehr seltenen Fällen tritt dieses Gefühl nach mehreren Wochen erneut auf. Dann ist es ein Zeichen für eine bakterielle Infektion und sollte medikamentös behandelt werden.


Harnsperre/schwacher Harnstrahl


Innerhalb der ersten Tage nach einer HIFU-Behandlung ist eine Verengung der Harnröhre (Obstruktion) teilweise unvermeidbar. Daher wird routinemäßig ein Bauchdeckenkatheter (Pufi) eingesetzt. Durch eine zusammen mit der HIFU- Therapie durchgeführten Hobelung (TUR-P), können die meisten Patienten bereits nach einer Woche wieder zufriedenstellend wasserlassen. Nach Monaten oder Jahren kann eine Verringerung des Urinflusses auftreten, die sogar schlimmer als direkt nach der HIFU-Behandlung sein kann. Dies kann durch eine Schrumpfung des verbleibenden Prostatagewebes hervorgerufen werden. Eine eventuell notwendige Therapie kann in einer Dehnung der Harnröhre oder in einer Abhobelung durch die Harnröhre (TUR-P) des Narbengewebes bestehen.


Hodenschmerzen/-schwellung


Dies ist eine bekannte, bei dieser Therapie aber selten auftretende Entzündungsform. Eine örtlich kühlende Therapie mit zusätzlicher Antibiotikagabe ist unumgänglich.


Einnässen


Inkontinenz nach einer HIFU-Behandlung kann zwei Gründe haben: zum einen eine Überaktivität der Harnblase (Blasenkrämpfe) durch Reizung (z.B. Infektion), die als Harndrang („Urge“) bezeichnet wird, und zum anderen die Schwächung (Inkompetenz) der Schließmuskel, die als Belastungsinkontinenz bezeichnet wird. Letztere kann in den ersten Wochen nach der HIFU-Therapie in schwacher Form auftreten und äußert sich durch tropfenweisen Urinverlust zum Beispiel beim Husten, Niesen, schwer Heben oder Aufstehen aus dem Sitzen. Dies deutet auf eine Schwächung des Beckenbodens oder des Schließmuskels hin. Spezielles Beckenbodentraining führt hierbei zur Besserung. Nur ca. 5 Prozent der Patienten haben nach HIFU eine dauerhafte Inkontinenz.


Ernährung


Wenn keine Herzerkrankung vorliegt, trinken Sie viel – täglich zwei bis drei Liter. Harnwegsinfektionen sind die häufigste Ursache für Beschwerden und können verhindert oder gemildert werden, indem man für eine ausreichende Verdünnung des Urins sorgt.


Fieber


Dies ist ein deutliches Infektionszeichen, kann jedoch auch durch Virusinfekte verursacht werden. Daher ist eine Untersuchung zum Auffinden der Fieberursache unumgänglich.


Impotenz


Bei 50 Prozent der behandelten Patienten kehrt die Erektionsfähigkeit sofort oder auch erst nach einigen Monaten wieder. Morgenerektionen sind das beste Zeichen für eine erhaltene oder wiederkehrende Potenz. Eine unterstützende medikamentöse Therapie kann nach Rücksprache mit dem behandelnden Urologen erfolgen.


Katheterzeit


Der Patient misst während des stationären Aufenthaltes die Restharnmenge, die nach normaler Blasenentleerung aus dem Bauchdeckenkatheter (Pufi) läuft. Alternativ sind auch Ultraschallmessungen möglich. Danach wird bestimmt, wann der Katheter entfernt werden kann. Wenn der Patient vorher keine Probleme beim Wasserlassen hatte, gilt eine Verweildauer des Katheters von zwei bis sieben Tagen als normal. Erfolgte beim Patienten vor der HIFU-Behandlung keine Abhobelung der Prostata (TUR-P), normalisiert sich das Wasserlassen frühestens nach vier bis sechs Tagen. Ein Katheter (Pufi) sollte solange verbleiben.


Kosten


Die Kosten der Behandlung werden in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen in Verbindung mit einem stationären Krankenhausaufenthalt übernommen.


Verweildauer im Krankenhaus


Der Aufenthalt im Krankenhaus nach einer HIFU-Behandlung dauert meist drei bis sieben Tage. Bei den täglichen Stationsvisiten sollten die Kontrolltermine für Gewebsentnahmen (Biopsien) und für die Bluttests zur Bestimmung der PSA-Werte abgestimmt werden. In den meisten Fällen ist der Patient beschwerdefrei, wenn er das Krankenhaus nach einer HIFU-Behandlung verlässt.


Wundheilung


Ein normaler Heilungsprozess benötigt mindestens sechs Wochen. Eine Wunde, die Urin und normalem Funktionsstress (Blasenentleerung, Dehnung, Infekt-Gefahr etc.) ausgesetzt ist, muss zudem unter sehr ungünstigen Bedingungen heilen, so dass sie genug Zeit benötigt. Verzichten Sie für etwa drei Monate auf Hometrainer und Fahrrad, weil dadurch die Prostata gereizt werden würde. Es gibt keine Vorbehalte bezüglich anderer normaler Aktivitäten.