Hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU) zur Behandlung von Prostatakarzinomen ("Focal One")

Um den Erkrankten ein möglichst breites Spektrum zur Behandlung bösartiger Krebstumore an der Prostata anbieten zu können, setzt die Urologische Klinik seit 2009 HIFU ein. Dieses innovative Verfahren kann in der Medizin zur Zerstörung von Prostatakrebszellen durch Wärmeeinwirkung eingesetzt werden. Prof. Dr. med. Andreas Blana, Chefarzt der Urologischen Klinik Fürth, brachte das Verfahren und das langjährige Know-how von seinem vormaligen Arbeitsplatz, der Universität Regensburg, mit. Dort behandelte er Patienten mit HIFU schon seit dem Jahr 2000 und führte  seitdem schon mehr als 800 HIFU-Therapien durch.

HIFU-Prinzip
Das Prinzip der HIFU-Therapie besteht in einer Fokussierung von Ultraschallwellen in der Prostata, um somit eine „Verbrennung“ des Gewebes bei ca. 80°C zu erzeugen. Ein weiterer mechanischer Effekt ist die sogenannte Kavitation, welche ebenfalls zu einer Zerstörung des Gewebes führt. Die Energie wird erst an dem Punkt der Bündelung (wie der Brennpunkt einer Lupe) in Hitze umgewandelt. Somit werden umliegende Strukturen, wie z.B. der Enddarm geschont. Auch die Gefäß-Nerven-Bündel, welche für eine Erektion nötig sind können erhalten werden. Es handelt sich daher um eine sehr schonende Methode der Prostatakrebsbehandlung.

Die Ultraschallwellen werden in der Prostata gebündelt (fokussiert), wodurch es erst in diesem Bereich zu einer Umwandlung der Energie in Hitze kommt. Dadurch wird z.B. der Enddarm geschont.


 


 


 


Focal One


Seit dem Jahre 2014 verwenden wir als erste Klinik in Deutschland das HIFU-Gerät der neusten Generation – „Focal One“. Diese Weiterentwicklung bietet mehrere Vorteile gegenüber dem Vorgängermodell „Ablatherm“:


Möglichkeit der 3D-Fusionierung von MRT (Kernspintomographie) und Real-Time Ultraschall


D.h. es können Tumore, welche im MRT diagnostiziert und lokalisiert wurden, in das Live-Ultraschallbild des Gerätes übertragen, und mit einem Sicherheitsabstand behandelt werden. Dies ermöglicht z.B. eine rein fokale Therapie eines Prostatakarzinoms.



 Tumor (Gelb markiert)
 Behandlungsareal (Blau umrandet)
 Energieabgabepunkte (Türkis)


 


 


 


Unmittelbare Erfolgskontrolle der Behandlung durch Kontrastmittelsonographie


Nach Abschluss der Behandlung wird intravenös Kontrastmittel verabreicht wodurch in einem Kontroll-KM-Ultraschall eventuell nicht ausreichend behandelte Areale identifiziert und in gleicher Sitzung nachbehandelt werden können.



Kontrastmittelultraschallkontrolle:
Das obere Bild zeigt links die Kontrastmittelauslöschung nach der Behandlung und somit einen Therapieerfolg.


 


 


 


 



 


 


 


 

Dynamische Fokussierung sorgt für eine flexible Planung und Behandlung


Durch die neu entwickelte dynamische Fokussierung muss keine vorgegebene Länge oder Form mehr eingehalten werden. Dies führt zu einer flexiblen Anpassung der Behandlungsareale und ermöglicht z.B. eine fokale Therapie (d.h. lediglich der Tumor mit Sicherheitsabstand wird behandelt, der Rest der Prostatadrüse wird geschont).



Durch die dynamische Fokussierung kann z.B. in diesem Fall die Harnröhre (weißer Pfeil) geschont werden, was nach der Behandlung zu verbessertem Wasserlassen im Vergleich zur Behandlung mit dem Vorgängergerät führt.


 


 


 


 
Indikationen/Behandlungsstrategien


Für die HIFU-Behandlung gibt es mehrere Indikationen/Behandlungsstrategien:


Vollbehandlung mit oder ohne Nervenerhalt


Hierbei wird die komplette Drüse behandelt, z.B. bei einem beidseitigen in der Prostatastanze oder im MRT nachgewiesenen Tumor. Hierfür ist je nach Prostatagröße eine gleichzeitige oder zweizeitige (ca. 6 Wochen vor geplanter HIFU) eine Abhobelung der Prostata (TUR-P) nötig. Abhängig von Aggressivität und Lage des Tumors kann ein Nervenerhalt durchgeführt werden.


 


 


Hemiablation


In unserer Klinik wird die sogenannte HEMIStudie durchgeführt. Hierbei erfolgt bei lediglich einseitigem Tumorbefall (Diagnose  durch Biopsie und MRT) eine Halbseitenbehandlung der Prostata. Eine Abhobelung der Prostata ist hierbei nicht nötig. Nähere Studieninfos finden Sie hier.


 


 



Fokale Therapie


Zeigt sich in der Prostatastanzbiopsie und im MRT lediglich ein einziger identischer Tumorherd kann durch die 3D-Fusion eine Behandlung lediglich des Tumors mit einem Sicherheitsabstand durchgeführt werden. Die Behandlung kann im Rahmen unserer Studie „Pro Focus“ erfolgen.


 


 



Salvage-Therapie


Die HIFU-Behandlung kann auch nach Diagnose eines Tumor-Rezidivs nach Strahlentherapie, HIFU-Behandlung oder Brachytherapie durchgeführt werden.


 


Vorgehen bei HIFU-Therapiewunsch


Sollten Sie Interesse an einer HIFU-Behandlung in unserem Haus haben empfehlen wir Ihnen zunächst eine Vorstellung in unserer HIFU-Sprechstunde. Diese findet jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat vormittags statt. Eine Terminvereinbarung ist über unser Sekretariat Tel.: 0911/7580-1351 möglich. Sollten Sie an den potenziellen Terminen verhindert sein ist natürlich auch eine individuelle Terminvereinbarung möglich. Bringen Sie bitte zu dem Termin alle relevanten Unterlagen (PSA-Werte, Ergebnis der Stanzbiopsie, Befund von z.B. MRT, CT oder Skelettszintigraphie) mit. Diese können Sie uns auch gerne zuvor per Mail an HIFU@klinikum-fuerth.de zukommen lassen.


Wir erörtern mit Ihnen zusammen, ob und in welcher Form (komplette Behandlung, Hemi-, oder Fokale Therapie) eine HIFU-Behandlung möglich ist. Des Weiteren erläutern wir Ihnen gerne den stationären Ablauf  (in der Regel 3-5 Tage stationär), ob eine Abhobelung der Prostata sinnvoll/nötig ist und potenzielle Nebenwirkungen bei Ihrer persönlichen Behandlungsstrategie.


 


Stationärer Ablauf


Am Tag vor der Behandlung erfolgt die stationäre Aufnahme in unserer urologischen Klinik (Station 12). Hier erfolgt eine Blutabnahme, das Aufklärungsgespräch durch den Urologen und das Narkosegespräch, sowie ggf. die Anfertigung eines EKGs und einer Röntgenaufnahme der Lunge und des Herzens. Anschließend haben Sie die Möglichkeit noch einmal nach Hause zu fahren und am nächsten Tag direkt zur Behandlung zu kommen, oder Sie bleiben bis zur Behandlung in der Klinik.


Die Behandlung findet in aller Regel in schonender Rückenmarknarkose vor. Je nach Größe der Prostata oder bei bereits durch eine gutartige Prostatavergrößerung verursachter Behinderung beim Wasserlassen (Obstruktion) erfolgen zusätzlich eine Abhobelung (TUR-P) der Prostata und das Einlegen eines Bauchdeckenkatheters während einer Narkose, um im Anschluss an die HIFU-Therapie ein problemloses Wasserlassen zu ermöglichen. Da in der Prostata so gut wie immer kleine Mengen an Bakterien vorkommen wird bei der Behandlung eine Antibiotikatherapie begonnen und bis mindestens 2 Wochen nach dem Eingriff fortgesetzt. Bereits am Abend des Behandlungstages dürfen Sie wieder essen.


Sollte eine TUR-P mit durchgeführt worden sein bleibt ein Katheter in der Harnröhre bis zum 3.Tag nach der HIFU-Therapie. Nach Entfernung des Katheters wird durch Ultraschall und Harnstrahlmessung die Miktion überprüft. Evtl. kann der Bauchdeckenkatheter sofort entfernt werden. Sollte dies noch nicht möglich sein erfolgt die weitere Betreuung durch Ihren Urologen, welcher den Bauchdeckenkatheter im weiteren Verlauf entfernt.


Für den Fall, dass keine TUR-P erfolgt wird der Harnröhrenkatheter am 2.Tag nach der HIFU-Therapie entfernt und ebenso die Miktion in aller Regel noch 24h beobachtet und durch Ultraschall und eine Harnstrahlmessung kontrolliert.


Nach Entlassung sollten Sie für 6 Wochen und bis zur völligen Normalisierung des Urinierens noch Folgendes vermeiden:



  • kein Fahrrad/Hometrainer fahren

  • keine Sauna/Thermalbäder/heiße Vollbäder

  • kein Geschlechtsverkehr

  • keine Einnahme von Marcumar


Alle unsere Patienten werden in der sogenannten @-Registry aufgenommen. Hierbei handelt es sich um eine anonymisierte Datenbank, in der Ihre Behandlungsergebnisse und der weitere Krankheitsverlauf gespeichert werden, um so den Erfolg der HIFU-Behandlung wissenschaftlich auswerten zu können. Dies basiert natürlich auf freiwilliger Bereitsc


Fragen und Antworten zum Thema HIFU sowie eine allgemeine Focal One-Informationsbroschüre finden Sie hier.