Hypospadie

Die Hypospadie ist die häufigste angeborene Fehlbildung des Penis. Etwa eines von 200-300 Kindern ist betroffen. Es handelt sich dabei um eine Hemmungsfehlbildung unklarer Ursache, bei der die Entwicklung der männlichen Harnröhre und der sie umgebenden Strukturen in unterschiedlichem Ausmaß gestört wurde. Die Harnröhrenöffnung kommt nicht in der Mitte der Eichel zum Liegen, sondern kann an jedem beliebigen Punkt an der Unterseite des Penis zwischen normaler Harnröhrenöffnung und Damm ausgebildet sein. Die Eichel ist typischerweise an der Unterseite geöffnet und ein Teil der Vorhaut fehlt. Dafür ist an der Oberseite des Penis eine schürzenförmige Vorhaut auffällig. Je nach Ausprägung ist der Penis bei der Erektion nicht gerade, sondern nach unten gekrümmt.


Die Bildung der Harnröhre ist um die 14. Schwangerschaftswoche beendet. Eine Unterbrechung der Harnröhrenentwicklung vor diesem Zeitpunkt führt zu einer Hypospadie. Ursächlich ist wahrscheinlich ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Zur Diskussion stehen genetische Einflüsse, hormonelle Störungen und Umweltfaktoren. Auch das Alter der Mutter scheint eine Rolle zu spielen.


Es erfolgt eine Einteilung in vordere, mittlere und hintere Formen, wobei die vorderen Formen mit 70-80 Prozent die mildesten und dementsprechend häufigsten sind. Wichtig ist es, ein Kind mit Hypospadie nicht im Vorfeld beschneiden zu lassen, da sonst bei einer späteren Korrektur keine Vorhaut zum Harnröhrenaufbau mehr vorhanden ist.


Diagnose


Um die Diagnose stellen zu können, reicht eine einfache körperliche Untersuchung aus. Zu beachten ist, dass Hypospadien gelegentlich mit anderen Fehlbildungen assoziiert sind. Am häufigsten sind dies Hodenhochstände, Leisten- oder Wasserbrüche. Insbesondere bei den seltenen hinteren Formen, vergesellschaftet mit ein- oder beidseitigem Hodenhochstand, muss eine Chromosomen- und/oder Hormonanalyse durchgeführt werden, um Störungen der sexuellen Entwicklung auszuschließen.


Therapie


Der beste Zeitpunkt für eine operative Hypospadiekorrektur ist der Zeitpunkt um das erste Lebensjahr. Eine frühere Korrektur birgt ein höheres Narkoserisiko, während ein späterer Eingriff aus psychologischen Gründen für das Kind belastender ist. Ziel der Operation ist ein kosmetisches und funktionell ansprechendes Ergebnis. Dies beinhaltet eine Verlagerung der Harnröhrenöffnung in die Mitte der Eichel, sodass ein problemloses Wasserlassen mit kräftigem Harnstrahl in eine normale Richtung möglich ist. Zudem sollte nach Korrektur der Penisverkrümmung eine uneingeschränkte sexuelle Funktion möglich sein. Die Dauer des stationären Aufenthaltes richtet sich nach dem Schweregrad der Hypospadie und beträgt im Schnitt sechs Tage.


Es sind zahlreiche Operationsverfahren in der Literatur beschrieben, die letztlich alle auf das gleiche, oben beschriebene Ergebnis abzielen. Die Wahl des Verfahrens hängt von der Ausprägung der Hypospadie und der persönlichen Erfahrung des Operateurs ab. Bei komplizierten Hypospadien, die unter anderem ein zweizeitiges Operationsverfahren notwendig machen, erfolgt die Behandlung in Kooperation mit Prof. Dr. Rösch von der Kinderurologie Regensburg, der auf diesem Gebiet über eine besondere Expertise verfügt.