Hydronephrose

Eine Hydronephrose ist eine Erweiterung des Nierenbeckens und/oder der Nierenkelche oder auch des Harnleiters. Durch den weitverbreiteten Einsatz des Ultraschalls bereits vor der Geburt wird eine Hydronephrose meistens zufällig schon im Mutterleib entdeckt. Anhand des Ultraschalls wird die Nierenbeckenerweiterung in verschiedene Schweregrade eingeteilt. Je nach Schweregrad können zur weiteren Diagnostik eine Röntgenkontrastuntersuchung der Harnblase zur Feststellung eines Refluxes oder von Harnröhrenklappen und/oder eine Nierenszintigrafie zur Beurteilung einer Abflussbehinderung notwendig sein. Beide Untersuchungen werden gemeinsam mit unseren radiologischen Kollegen im Radiologischen Institut durchgeführt. Häufigste Ursache einer Nierenbeckenerweiterung beim Kind ist eine Nierenbeckenabgangsenge, gefolgt vom Megaureter.


Nierenbeckenabgangsenge


Die Engstelle liegt zwischen dem Nierenbecken und dem Beginn des Harnleiters. Betroffen sind vornehmlich Jungen, die linke Niere dreimal häufiger als die rechte. Wenn die Diagnose nicht im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung zufällig gestellt wird, ist das typische Beschwerdebild wenig charakteristisch. Gedeihstörungen, Übelkeit und Erbrechen können richtungsweisend sein, ältere Kinder beklagen sich evtl. über Flanken- / Bauchschmerzen. In Abhängigkeit vom Ausmaß der sonographischen Nierenbeckenerweiterung und vor allem dem Ergebnis der Nierenfunktionsszintigrafie kann die Veränderung beobachtet werden. Falls nötig besteht die Therapie in einer operativen Korrektur (Nierenbeckenplastik). Diese kann bei sehr kleinen Kindern mittels offener Schnittoperation oder bei größeren Kindern laparoskopisch durchgeführt werden.


Megaureter


Beim Megaureter ist der Harnleiter auf gesamter Strecke erweitert, die Engstelle liegt am Eintritt in die Blase. In mehr als 80 Prozent aller Fälle bedarf der Megaureter keiner operativen Therapie, da er sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch das Längenwachstum des Kindes von alleine zurückbildet. Im Fall einer Operation wird nach dem ersten Lebensjahr eine Harnleiterneueinpflanzung mittels offener Schnittoperation durchgeführt. Ist aufgrund einer ausgeprägten Abflussbehinderung eine Operation früher notwendig, so wird der Harnleiter in die Haut eingepflanzt, damit der Urin ungehindert abfließen kann. Nach dem ersten Lebensjahr wird dieser Zugang verschlossen und der Harnleiter in die Blase neu eingepflanzt.


Harnröhrenklappen


Desweiteren können Harnröhrenklappen Ursache einer Hydronephrose sein. Diese können mittels Röntgenkontrastuntersuchung der Blase festgestellt werden. Damit der Urin aus der Blase gut abfließen kann, wird nach der Geburt ein dünner Schlauch über die Bauchdecke in die Blase eingelegt. Im Alter von mehreren Wochen werden die Klappen in Narkose endoskopisch geschlitzt. Da das Vorkommen von Harnröhrenklappen oftmals mit Blasenfunktionsstörungen und Reflux kombiniert ist, sollten diese Kinder an ein kinderurologisches Zentrum angebunden sein.