Schlafmedizin

Die Schlafmedizin ist eine relativ junge Disziplin, die sich durch ihre Interdisziplinarität auszeichnet. Diese wird  im Schlaflabor des Klinikum Fürth seit langem durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Pneumologie und Kardiologie mit der Kinderklinik gepflegt.


Das Schlaflabor verfügt über sechs polysomnographische Messplätze (fünf Messplätze der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen, ein Messplatz der Kinderklinik) zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atemstörungen, Diagnostik von Parasomnien, epileptiformer Störungen, der Insomnie (Ein-und Durchschlafstörungen) und von Störungen des Schlaf-Wachrhythmus.


Durch die wechselseitige Beziehung schlafbezogener Atemstörungen mit neurologischen Krankheitsbildern, insbesondere dem Schlaganfall, besteht auch ein enger Kontakt zur neurologischen Abteilung im Hause. Alveoläre Hypoventilationen im Rahmen neurologischer Systemerkrankungen können mithilfe einer transkutanen Kohlendioxidmessung objektiviert und therapiert werden.


Bereits während eines stationären Aufenthaltes im Klinikum kann abteilungsübergreifend eine kardiorespiratorische Polygraphie („Schlafscreening“) zur Erkennung schlafbezogener Atemstörungen durchgeführt werden. Hierzu stehen sechs polygraphische Messsysteme zur Verfügung.


Das Schlaflabor fühlt sich den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) verpflichtet und ist im Rahmen des regelmäßig durchgeführten Zertifizierungsprozesses als DGSM-akkreditiertes Schlaflabor anerkannt.


Diagnostik


Voraussetzung für eine diagnostische  Polysomnographie (Stufe 4) im Schlaflabor ist eine durchgeführte kardiorespiratorische Polygraphie („Schlafscreening“, Stufe 3). Diese kann unter anderem ambulant, meist bei Fachärzten für Innere Medizin und Pneumologie, Fachärzten für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und vereinzelt auch bei hausärztlichen Fachkollegen durchgeführt werden.


Die meisten Patienten mit unerholsamem Schlaf leiden unter Tagesschläfrigkeit (Hypersomnie), Ein-und Durchschlafstörungen (Insomnie), Konzentrationsschwierigkeiten, Abgeschlagenheit mit verminderter Leistungsfähigkeit, Gedächtnisstörungen, morgendlich betonten Kopfschmerzen, häufigem nächtlichen Wasserlassen und depressiver Verstimmung.


Von Angehörigen wird häufig, gerade bei obstruktiven schlafbezogenen Atemstörungen, über nächtliches Schnarchen und nächtliche Atemstillstände des betroffenen Patienten berichtet.


Weitere Schwerpunkte der Diagnostik sind das zentrale Schlafapnoesyndrom (u.a. Cheyne-Stokes-Atemmuster), das häufig im Rahmen einer Herzleistungsschwäche und nach einem Schlaganfall auftreten kann, und Hypoventilationssyndrome (Atmungsminderung), beispielsweise im Rahmen einer Adipositas (Übergewicht).


Eine Terminvereinbarung zur diagnostischen Polysomnographie ist mit unserem Schlaflabor unter der Telefonnummer: 0911 7580 3212 jederzeit möglich.


Die Aufnahme im Schlaflabor erfolgt ab 20:00 Uhr. Idealerweise wird versucht, den häuslichen Schlafgewohnheiten zu entsprechen. Die Anlage der Messsensorik erfolgt durch die geschulten Schlaflabormitarbeiter („Verkabelung“). Dies ist am Anfang etwas ungewohnt, wird aber nach kurzer Eingewöhnung meist rasch toleriert und ist Voraussetzung für die Messung und Überwachung der Körperfunktionen.


Dabei werden die Hirnströme (EEG) zur Beurteilung der Schlafqualität und der -quantität erfasst mit Bestimmung der Schlafarchitektur. Im Normalfall folgen in zyklischer Abfolge auf den Leichtschlaf erholsamer Tief- und Traumschlaf.


Des Weiteren werden gemessen:



  • Augenbewegungen (EOG): Abgrenzung von Traumschlaf (REM) von Nicht-Traumschlaf (NonREM-Schlaf)

  • Muskeltonus: Messung der Muskelspannung am M.mentalis (Kinnregion). Dabei zeigt sich mit Zunahme der Schlaftiefe eine Abnahme des Muskeltonus.

  • Messung des Atemflusses (Flow) durch Thermistoren oder Staudruckmessung.

  • Atemanstrengung: Zur Messung wird ein Brust- und Bauchgurt mit Dehnungssensoren angelegt.

  • Schnarchmikrophon: Detektion des nächtlichen Schnarchens mit möglicher Differenzierung habituellen Schnarchens von schlaffragmentierendem obstruktiven Schnarchen durch Arousalanalyse mithilfe der Hirnstrommessungen

  • Elektrokardiogramm (EKG): Messung von langsamen und schnellen Herzrhythmusstörungen und eventuell durch Atemaussetzer (Apnoe) bedingten Überleitungsstörungen (AV-Blockierungen) durch zwei Elektroden am Brustkorb

  • Analyse der nächtlichen Körperlage durch einen Lagesensor. Dadurch können lagebedingte schlafbezogene Atemstörungen abgegrenzt werden.

  • Sauerstoffsättigung: Durch Atemaussetzer (Apnoen) kommt es bei fortgesetztem Sauerstoffverbrauch im Körper und fehlender Sauerstoffaufnahme zu wiederkehrender Sauerstoffschuld. Dies kann mit einem Fingerclip gemessen werden.

  • Beinbewegungen (periodic leg movements, PLM´s): Jeweils zwei Elektroden im Bereich des M. tibialis anterior (Unterschenkel) leiten über die Muskelspannung periodische Beinbewegungen ab.

  • Videoüberwachung: Dadurch sind z.B. Parasomnien wie Schlafwandeln zu erfassen.

  • Beatmungsdruck: Sollte bereits ein Therapiegerät verwendet werden, kann mittels Drucksensoren der Gerätedruck bestimmt werden und durch manuelle Titration ggf. angepasst werden.

  • fakultativ transkutane (über die Haut) Kohlendioxidmessung  bei dem Verdacht einer Minderung des Atemantriebs (Hypoventilation) mit nächtlicher Hyperkapnie (Erhöhung des Kohlendioxidanteils im Blut). Hierüber sind auch die nächtliche Einleitung und die Kontrolle einer Heimbeatmung (intermittierende Selbstbeatmung) möglich.


Weitere Diagnostika:



  • p01-Messung zur Darstellung der Atemmuskelfunktion

  • Vigilanztests (Pupillographie und Daueraufmerksamkeitstest, MWT)

  • Multipler Schlaflatenztest (unter anderem wichtiger diagnostischer Mosaikstein bei der Fragestellung einer Narkolepsie)

  • Arterielle Blutgasanalyse, Bodyplethysmographie und CO-Diffusionsmessung

  • Schlaftagebuch


Die polysomnographische Messung endet gegen 06:00 Uhr morgens. Selbstverständlich wird bei Bedarf ein Frühstück gereicht. Nach manueller Auswertung der erhobenen Biodaten erfolgt bezogen auf den individuellen Befund ein persönliches Arzt-Patienten-Gespräch am gleichen Tag. Dabei werden auch die Therapiealternativen erläutert.


Therapie


Die Rationale für die Therapie der schlafbezogenen Atemstörungen (SBAS) ist kurzfristig eine Besserung der Tagesschläfrigkeit und der weiteren assoziierten Symptomatik.


Längerfristig ist die Therapie erfolgreich in der Vermeidung kardiovaskulärer Begleiterkrankungen, wie der Entwicklung eines Herzinfarktes, eines Schlaganfalles, eines arteriellen Hypertonus und einer Herzinsuffizienz.


Die Schwere der Schlafapnoe, der im Schlaf auftretenden Atemstillstände, wird über den Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) erfasst. Dabei handelt es sich um die Anzahl der Atemstillstände pro Stunde Nachtschlaf. Ein Apnoe-Hypopnoe-Index größer als 30/Stunde gilt unabhängig von klinischen Beschwerden als unabhängiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen und für eine erhöhte Sterblichkeit (Mortalität).


Daraus ergibt sich die Notwendigkeit zur Therapie der nächtlichen Atemstillstände. Zur Vermeidung des wiederkehrenden Kollapses des oberen Atemweges werden als Goldstandard Positivdruckverfahren angewendet. Diese sind nach der aktuellen Studienlage am besten dazu geeignet, die Symptome der obstruktiven Schlafapnoe zu beseitigen und das Risiko zur Entwicklung einer Herz-Gefäß-Erkrankung zu reduzieren. Damit einhergehend kann eine Lebensverlängerung verbunden sein.


Als Positivdruckverfahren wird in Mehrheit eine nasale CPAP-Therapie (continuous positive airway pressure) zum Offenhalten des kollabierten Atemweges verwendet (pneumatische Schienung). Unter Verwendung von Maskensystemen, die individuell auf die Patientennasen-und Gesichtsform abgestimmt werden, wird der positive Druck, der vom CPAP-Gerät erzeugt wird, auf den Atemweg geleitet. Anfänglich ist das Tragen einer Beatmungsmaske mitunter deutlich gewöhnungsbedürftig. Zur besseren Akzeptanz und zur Erhöhung der Therapietreue wird aus diesem Grunde eine Maskensprechstunde vor Einleitung der nächtlichen CPAP-Therapie in unserem Schlaflabor angeboten.


Bei Hypoventilationssyndromen werden zur Unterstützung der Atmung und zur Erzielung einer nächtlichen Normokapnie (normaler Kohlendioxidwert im Blut) Bilevel-Beatmungsverfahren (BiPAP-ST-Geräte) eingesetzt. Diese werden auch bei der Einleitung einer intermittierenden Selbstbeatmung über Maske und teils bei invasiv zu beatmenden Patienten mittels Tracheostoma eingesetzt.


Die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel werden auf den individuellen Befund des Patienten bezogen eingesetzt. Berücksichtigung bei der Versorgung mit einem Beatmungsgerät finden die medizinische Notwendigkeit und der individuelle Wunsch des Patienten bezüglich des weiteren Vorgehens.


Maßnahmen zur Schlafhygiene werden berücksichtigt. Bei Ein-und Durchschlafstörungen erfolgt eine Insomnieberatung. Therapiealternativen zur nasalen CPAP-Therapie werden aufgezeigt. Als DGSM akkreditiertes Schlaflabor ist es für uns selbstverständlich, mögliche Differenzialdiagnosen eines unerholsamen Schlafes zu berücksichtigen.


Im Anspruchsfalle sind wir als Schlaflaborteam gerne für unsere Patienten da.


 

Schlaflabor

Tel: 0911 7580 3212
Fax: 0911 7580 3213

Thomas Schneider
Oberarzt